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Referendar und Berufseinsteiger bei Watson Farley & Williams

Im Rahmen unserer Interviewreihe "Mentoren für Referendare" erzählte uns Rechtsanwalt Christian Schindler über sein Referendariat und den Berufseinstieg bei Watson Farley & Williams.

Die Persönlichkeitsstruktur in einer Kanzlei ist der entscheidende Faktor, den man aus keiner Statistik ablesen kann.

Rechtsanwalt Christian Schindler

Watson Farley & Williams

Als Referendare möchten wir einerseits ein erfolgreiches 2. Staatsexamen machen und anderseits möglichst viele Einblicke in die spätere Praxis bekommen sowie, wenn möglich, auch unseren späteren Arbeitgeber kennenlernen. Aus diesem Anlass haben wir junge Berufsträger befragt, wie ihr Werdegang als Referendar und der anschließende Berufseinstieg verlaufen ist, um Euch aufzuzeigen, welche Wege auch Euch „zum Ziel“ führen können. Hierzu haben wir Herrn Rechtsanwalt Christian Schindler (Associate) vom Hamburger Standort der Großkanzlei Watson Farley & Williams interviewt.

iurratio: Sie sind Rechtsanwalt bei Watson Farley & Williams und kennen die Kanzlei bereits seit ihrer Anwaltsstation im Rechtsreferendariat. Warum hatten Sie sich im Rahmen der Referendarstage für Watson Farley & Williams entschieden?

Christian Schindler: Ich kenne Watson Farley & Williams (WFW) bereits seit meiner Zeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter (WiMi) nach dem 1. Staatsexamen. Bereits in dieser Zeit habe ich die Kanzlei und die Kollegen schätzen gelernt. Maßgeblich für die Wahl meiner zwei Referendarstationen bei WFW war das verbindliche Angebot, meine Anwaltsstation in Hamburg und die Wahlstation in London, dem Hauptsitz von WFW, absolvieren zu dürfen.

iurratio: Was sind rückblickend Ihrer Meinung nach die Vorteile einer Stage bei WFW? Wie haben sich die Angebote seit Ihrer Anwaltsstation verändert, insbesondere im Hinblick auf die Examensvorbereitung?

Christian Schindler: WFW verfolgt den Kanzleileitsatz „Develop our People!“, was soviel bedeuten soll wie, dass WFW nur Trainees (Referendare und Wissenschaftliche Mitarbeiter) einstellt und diese entwickelt, in denen das Potential gesehen wird, sich in der Kanzlei zum erfolgreichen Wirtschaftsanwalt zu entwickeln. Demnach ist es eine Selbstverständlichkeit, dass alle Trainees an sämtlichen (Fortbildungs-)Veranstaltungen für Anwälte der Kanzlei teilnehmen dürfen und sollen. In den letzten Jahren wurden die Angebote in der Referendarstation stark ausgebaut und reichen vom Aktenvortragstraining und Klausurenkurs bis zum sog. „Double-Mentoring“, d.h. jeder Referendar kriegt jeweils einen Partner und Associate als Mentor zur Seite gestellt.

Für die Examensvorbereitung lernt man insbesondere die anwaltliche Schreibweise, d.h. gut strukturierte und klar formulierte Schriftsatze, Memoranden und E-Mails „auf den Punkt“ zu bringen. Die eigentliche Aufgabe der Anwaltsstation sehe ich nicht darin, materiell- oder prozessrechtliche Kenntnisse zu vermitteln, sondern in einer Art Probezeit, seine künftigen Anwaltskollegen und deren Arbeitsweisen kennen zu lernen, um herauszufinden, ob man zueinander passt.

iurratio: Mit welcher Vorlaufzeit sollten sich Referendare für die Anwalts- und Wahlstation bewerben?

Christian Schindler: Idealerweise bewirbt man sich vor oder zum Beginn des Referendariats, unter anderem, um bereits die Möglichkeiten einer (zusätzlichen) Wahlstation im Ausland (u.a. Bangkok, Madrid oder London sind beliebte Kanzleistandorte) besprechen zu können. Aber auch bereits während der Wartezeit nach den Klausuren bis zur mündlichen Prüfung zum 1. Staatsexamen macht eine Bewerbung Sinn, um sich bereits kennenzulernen und die Möglichkeiten einer Referendarstation oder wissenschaftlichen Mitarbeit zu besprechen. Sofern noch Plätze frei sind, kann man sich selbstverständlich auch während des laufenden Referendariats bei uns bewerben, d.h. die Vorlaufzeit kann auch mal nur ein paar Wochen oder Monate betragen.

iurratio: Auch Ihren Berufseinstieg durften Sie bei Watson Farley & Williams erleben. Dieser kann oftmals holprig starten. Wie war es bei WFW in Hamburg?

Christian Schindler: Durch meine vorherigen Tätigkeiten als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referendar in der Anwalts- sowie Wahlstation kannte ich die Kollegen und konnte direkt im Team weiterarbeiten. Mir erscheint es für den Berufseinstieg wichtig, dass man mit seinem Partner und seinen direkten Associate-Kollegen auf persönlicher Ebene gut zusammenarbeitet. Wenn dies der Fall ist, verläuft auch der “Wechsel“ vom Referendar zum Anwalt ohne holprigen Start.

iurratio: Wie würden Sie das Arbeitsklima bei WFW in Hamburg beschreiben?

Christian Schindler: Das Arbeitsklima im Hamburger Büro von WFW ist durch einen respektvollen und kollegialen Umgang zwischen Kollegen auf allen Ebenen (vom Trainee bis zum Partner) geprägt. Es wird eine „Open-Door-Policy“ verfolgt, sodass man jederzeit mit seinem Partner und seinen Kollegen im direkten persönlichen Kontakt steht. Die britische Kanzleikultur prägt sicherlich das gelassene Arbeitsklima; damit ist man gleich mit allen Kollegen auf „Du“. Da bei Neueinstellungen darauf geachtet wird, dass neue Anwaltskollegen auch persönlich ins Team passen (neben zwei Gesprächen mit Partnern gibt es im Rahmen des Bewerbungsprozesses auch ein Treffen mit den Associates des gesamten Teams), wird sichergestellt, dass es auch auf persönlicher Ebene zwischen den Kollegen passt.

iurratio: Immer mehr tritt die „Work-Life-Balance“ in den Vordergrund. Würden Sie sagen, dass WFW dem gerecht wird?

Christian Schindler: WFW nimmt das Thema Work-Life-Balance ernst und wird diesem gerecht. Gemäß dem Kanzleileitsatz „Develop our People!“ ermöglicht WFW flexible Arbeitszeitgestaltungen (z.B. HomeOffice und Agile Working). Selbstverständlich besteht in einer Großkanzlei eine höhere Arbeits- und Leistungsbereitschaft, trotzdem bleibt das Wochenende – anders als in vielen anderen (Groß-)Kanzleien – bis auf ein paar sehr wenige Ausnahmefalle im Jahr - komplett frei. Das ermöglicht mir eine gesunde Work-Life-Balance und Zeit mit Familie und Freunden.

iurratio: Hat man von Ihnen von Anfang an eine starke Spezialisierung in Ihrem Rechtsgebiet erwartet oder fand ein „Training on the job“ im Sinne eines Heranführens von kleinen zu großen Aufgaben statt?

Christian Schindler: Außer einem soliden juristischen Grundwissen im Zivilrecht, werden von Referendaren bei WFW keine Kenntnisse in speziellen Rechtsgebieten vorausgesetzt. Es findet ein tägliches „Training on the Job” statt, jeweils mit regelmäßigem Einzel-Feedback zur Aufgabenerledigung durch den Mentor Associate und den Mentor Partner. Nichtsdestotrotz ist jedem Referendar zu empfehlen, proaktiv Feedback einzusammeln und dies wird auch positiv gesehen. Während der Referendarstation bei WFW gibt es zudem regelmäßige fest eingeplante Feedbackgespräche sowie ein Abschluss-Gespräch mit dem Mentor-Partner und -Associate.

iurratio: Gibt es strikte Hierarchien in der Kanzlei? Wie ist z.B. das Verhältnis zwischen Partnern und Referendaren?

Christian Schindler: Das Arbeitsklima bei WFW ist durch flache Hierarchien geprägt, da auf einen Partner nur ca. 1,6 Associates kommen. Das führt automatisch zu einer engen Einbindung in die Mandatsarbeit und damit einer steilen Lernkurve. Durch das Double-Mentoring hat jeder Referendar nicht nur einen Mentor-Associate, sondern stets auch einen Mentor-Partner als Ansprechpartner zur Seite. Zudem führen die flachen Hierarchien bei WFW – anders als in vielen Großkanzleien üblich – dazu, dass man bereits als Referendar auch direkt Partnern zuarbeitet.

iurratio: Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gewährt WFW Junganwälten?

Christian Schindler: Zum einen finden kanzleiinterne Weiterbildungen statt: Fachbereichs-KnowHow-Runden mit Frühstück (monatlich), sog. „Away-Days“ (halbjährlich), sog. „WFW-Academy“ zu allen Bereichen des Wirtschaftsrechts mit insgesamt 36 Modulen (alle zwei Monate) und Fortbildungsveranstaltungen aus London (z.B. English Legal Drafting). Zum anderen ist ein Budget für jeden Anwalt vorgesehen, um z.B. externe Seminare vom Deutschen Anwaltsinstitut (DAI) oder anderer Anbieter zu besuchen. Zudem wird einem ermöglicht, auf Fachmessen und Branchenveranstaltungen zu gehen, um früh mit dem Netzwerken beginnen zu können.

iurratio: Man beginnt in der Regel als Associate (wenn nicht schon als Referendar) in einer Kanzlei. Immer wichtiger wird schon zu Beginn die Frage, der mittel- und langfristigen beruflichen Zukunft. Wie sind die Aufstiegschancen bei WFW? Gilt bei WFW das sog. „Up or out“-Prinzip oder gibt es alternative Karriereperspektiven zur Partnerschaft?

Christian Schindler: Bei WFW stehen die Karriereperspektiven unter dem Kanzleileitsatz „Develop our People!“. Wie die letzten Jahre zeigen, wurden jedes Jahr mehrere Partner aus den eigenen Reihen ernannt. Dazu findet in London jährlich im April das ein Black Tie-Dinner statt, auf dem die neuen internen Partner ernannt und gefeiert werden. Neben dem Partner-Track hat WFW zwischenzeitlich auch den „Of Counsel“-Status eingeführt. Insgesamt sind damit die Karriereperspektiven bei WFW besser als in anderen Großkanzleien.

iurratio: Was würden Sie abschließend Referendaren und Junganwälten mit auf den Weg geben?

Christian Schindler: Die Entscheidung für einen Berufseinstieg in einer bestimmten Kanzlei sollte man stets davon abhängig machen, dass man mit seinen direkten Kollegen und Partnern auf fachlicher und persönlicher Ebene gut zusammenarbeitet. Zudem ist wichtig, dass man frühzeitig (d.h. idealerweise noch vor dem Referendariat) die Chance nutzt, persönliche Einblicke in verschiedene Kanzleien, deren Werte und Philosophie zu erlangen. Nur so kann man für sich persönlich ein Arbeitsumfeld finden, das zu einem passt.

Wenn man sich nach dem 1. Staatsexamen eine Auszeit gönnen möchte, kann man auch einfach mal ein halbes Jahr als Vollzeit-WiMi in einer Kanzlei arbeiten, um diese von innen kennenzulernen. Denn die Persönlichkeitsstruktur in einer Kanzlei ist der entscheidende Faktor, den man aus keiner Statistik ablesen kann.

iurratio: Vielen Dank für Ihre Zeit und das Interview, Herr Schindler!

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