Buchvorstellung:EUROPÄISCHES STRAFRECHT - Bernd Hecker PDF Drucken E-Mail

2. Auflage; Heidelberg 2007; 552 Seiten; 24,95€ Springer Verlag; www.springer.de
Rezensiert von Alexander Otto

Europäisches Strafrecht nimmt an Bedeutung zu. Das zeigt sich in allen Bereichen: An einigen Universitäten, wie zum Beispiel an der Universität Bremen, gibt es ganze Schwerpunktbereiche, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Aber auch in der täglichen Arbeit der Berufspraktiker zeigt sich, dass das Europäische Strafrecht nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken ist. Das hat nicht zuletzt die Entscheidung des EuGH zur Richtlinie über die Vorratsdatenspeicherung gezeigt, im Rahmen derer der EuGH festgestellt hat, dass die Verpflichtung der Mitgliedsstaaten, die Vorratsdatenspeicherung zu regeln, mittels einer Richtlinie geregelt werden durfte. Das ist aber nur ein Beispiel für viele Fälle, in denen das Europäische Strafrecht tangiert wird.
Leider ist diese Materie genauso wichtig wie mittlerweile unübersichtlich. Hecker gelingt es mit der zweiten Auflage seines Lehrbuchs aber ein hervorragendes Lehrwerk vorzulegen. In Umfang, Darstellung und Aufbereitung dieser Materie avanciert dieses Lehrbuch zu dem Standardwerk der Lehrbuchliteratur im Bereich des Europäischen Strafrechts. Zwar handelt es sich nicht um ein Kurzlehrbuch, sondern schon um ein etwas ausführlicheres Werk.
Gleichwohl ist es auch für diejenigen geeignet, die sich nur einen kurzen Überblick verschaffen wollen. Hecker fasst alle Kapitel so zusammen, dass es für einen ersten Überblick reicht, diese zu lesen. Abgedeckt wird in diesem Buch alles, was mit dem Europäischen Strafrecht zu tun hat, sowohl in verfahrensrechtlicher Hinsicht, als auch Belange des materiellen Strafrechts. Hecker beginnt mit einer Einführung, im Rahmen derer er zunächst einmal Grundbegriff und Grundfragen des Europäischen Strafrechts behandelt, aber auch auf strafrechtliche Spezialmaterien mit grenzüberschreitenden Bezügen wie z.B. dem transnationalen oder internationalen Strafrecht eingeht. Danach werden Träger des Europäischen Strafrechts und deren Handlungsformen ausführlich dargestellt. Das macht es im Folgenden einfacher, die strafrechtsrelevanten Europäisierungsfaktoren zu verstehen. Abschließend setzt sich Hecker dann noch mit dem strafrechtlichen Schutz der finanziellen Interessen der EG auseinander.
Auch in dieser zweiten Auflage gelingt des dem Autor, die zum Teil wirklich diffizile Thematik so aufzubereiten, dass es auch „blutigen Anfängern“ möglich sein wird, Zugang zum Europäischen Strafrecht zu finden. Auf Grund des massiven Umfangs von knapp über 550 Seiten dient „der Hecker“ auch der Vertiefung.
Im Vergleich zu anderen Büchern zum Europäischen Strafrecht gelingt es Hecker, alle Wünsche potentieller Leser zu erfüllen. Als Anfänger kann man durch die Lektüre der Zusammenfassungen einen ersten Überblick erhalten, als Fortgeschrittener kann man seine Kenntnis gut vertiefen. Hecker flankiert seine Ausführungen stets mit ausführlichen Literaturhinweisen. Insoweit ist dieses Buch auch ein zuverlässiges Nachschlagewerk.
Auch, wenn das Europäische Strafrecht nur in kurzen Bezügen Gegenstand des Grund- und Hauptstudiums ist, sollte jeder mal einen Blick in dieses Werk liefern. Die Bedeutung des Europäischen Strafrechts wird massiv zunehmen und damit auch für die spätere Praxis extrem wichtig sein.
Mit „dem Hecker“ auf dem Schreibtisch wird das Europäische Strafrecht übersichtlicher. Angesichts der sich ständig erweiternden Thematik und vieler aktueller Entwicklungen wird man in den nächsten Jahren noch auf einige Aktualisierungen und Neuauflagen hoffen dürfen.